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Bernhard Stange

Ein Künstlerdorf im Oberland

 

Bernhard Stange, ein bekannter Künstler der Romantik, wurde 1807 in Dresden geboren. In Leipzig studierte er Rechtswissenschaft. Bilder von Caspar David Friedrich und Karl Rottmann weckten in ihm den Wunsch, Kunstmaler zu werden. So zog er 1831 nach München und 1858 von München nach Sindelsdorf.

Die Abendglocke, 1870

 

 

Hier wollte er als Landwirt ein idyllisches Leben führen. Im November 1858 kaufte er für 3.000 Gulden das Doat-Anwesen, heiratete 1860 die Iffeldorfer Schneiderstochter Theresia Putz und bewohnte mit ihr und Sohn Bernhard das Anwesen an der Reginpertstraße, das bald den Hausnamen beim Moier (=Maler) erhielt. Heute leben dort noch die Ururenkel Stanges.

 

Eine herzliche Freundschaft verband ihn mit dem fast gleichaltrigen Maler Spitzweg, der öfters im benachbarten Bichl zur Sommerfrische weilte.

 

Stanges Bilder sind in Museen in aller Welt zu finden: In Deutschland, England, Russland, Italien, Griechenland, Norwegen und den USA.

 

Der Romantiker wurde vor allem als Mondscheinmaler berühmt: Stange schuf in seinen Bildern magische Lichteffekte. Sein berühmtestes Bild, Die Abendglocke aus dem Jahr 1870, gibt es in mehreren Ausführungen. Der Blick aus dem Fenster einer Glockenstube auf einen verglühenden Sommerabend war so gefragt, dass Stange davon verschiedene Variationen schuf und verkaufte. Seine von Poesie geprägten Bilder zeigen vor allem die Alpenwelt Bayerns und Tirols aber auch Venedig und allegorische Themen.

 

In Sindelsdorf selbst bewies der Maler sein Können beim Renovieren des St. Georgsbildes am Hauptaltar der Pfarrkirche. Außerdem schuf er das in Gold gemalte Wappen auf der ersten Fahne des Krieger- und Veteranenvereins.

 

Stange wurde in der Kunstwelt schon früh akzeptiert. In Anerkennung seiner besonderen künstlerischen Leistungen verlieh König Max II. von Bayern dem Kunstmaler bereits im Alter von 24 Jahren das Ritterkreuz des Verdienstordens vom Hl. Michael.

 

Stange interessierte sich sehr für die Landwirtschaft. 1864 gründete er zur Förderung der Milchwirtschaft die Erste Käsereigenossenschaft Sindelsdorf, auch Schweizer Gesellschaft genannt. Im gleichen Jahr wurde von dieser Genossenschaft ein Schweizerhaus mit Wohnstube, Käseküche, Keller und Schweinestall in der Nachbarschaft gebaut (Steinmetz Dangl).

Stange, der in seinen letzten Lebensjahren sehr krank war, starb am 9. Oktober 1890, als er von einem kleinen Ausflug nach Hause kam, in den Armen seiner Frau.

 

Aus: Mrotzek E., Das blaue Land vor den Bergen